Liga: Süper Lig / Stadion: Türk Telekom Arena / Zuschauer: 32.100

 

Das lange Wochenende zum Novemberbeginn wurde dieses Jahr genutzt, um die für uns erste Reise an den Bosporus zu starten. Auch wenn die Metropole Istanbul, die sich bekanntlich auf zwei Kontinente unterteilt, nur als heimliche Hauptstadt der Türkei gilt, ist sie doch die bevölkerungsreichste und größte Stadt des Landes, was sich auch an der Vielzahl an Sportvereinen widerspiegelt. Für unsere Reisegruppe kam es daher in Frage, die Flüge und das Hotel bereits früh zu buchen, die Fußballspiele und das anderweitig geplanten Programmpunkte aber erst später unter einen Hut zu bekommen. Spricht man von Fußball in Istanbul, fallen natürlich in erster Linie die drei großen Clubs Galatasaray, Fenerbahçe und Beşiktaş Istanbul ins Gedächtnis. Mindestens einen dieser Clubs sollte man auch definitiv vor heimischer Kulisse zu Gesicht bekommen, einen Favoriten hatte hierbei jeder…

Problemlos ging es von der bayrischen Landeshauptstadt mit der genialen Turkish Airlines zum Atatürk – Flughafen im Südwesten der Stadt. Ein Bus brachte uns im Anschluss für 10 TRL über den Hafen von Yenikapi bis hin zum berühmten Taksim Platz, bei einer Fahrzeit von einer knappen Stunde geht der Preis hierfür auch wirklich in Ordnung. Nach einigen Besorgungen der direkte Weg zum Hotel, ehe es bereits zum ersten Spiel des Wochenendes ging.

Galatasaray Istanbul – der erfolgreichste und beliebteste Club des Landes. Seit 2011 spielen die „Aslanlar“ (Die Löwen) in der modernen Türk Telekom Arena, welche trotz des etwas umständlichen Metro – Liniennetzes der Stadt vom Zentrum aus einfach zu erreichen ist. Auch führt der Weg dorthin am ehemaligen Standort des Ali Semi Yen Stadions vorbei, der traditionellen Spielstätte der Rot – Gelben. Die nach dem Gründer des Vereins benannte Spielstätte wurde ebenfalls im Jahre 2011 dem Erdboden gleich gemacht. Dennoch wurde die traditionsreiche Verbindung des Ali Semi Yen in den Stadtteil Seyrantepe übernommen und der Sportkomplex nach jenem Gründer benannt, wenn auch der Stadionname von einem türkischen Telekommunikationsunternehmen stammt.

Vorbei an den unzähligen Schalverkäufern erreichte man weit vor Anpfiff den Außenbereich des Stadions, an dem sich bereits die ersten Schwarzmarkthändler um uns kümmerten. Leider erfuhr man entgegen der Ankündigungen auf der offiziellen Website, dass Tickets nur gegen eine Onlinereservierung erhältlich sind und so stand man bereits zu Beginn der Reise vor der ersten Hürde. Nach ewiger Diskussion mit dem Ordnungsdienst brachte uns dieser an den Drehtoren vorbei bis hin zur Pressestelle der Arena, an welcher man sein Glück trotz fehlender Bestätigung zur Akkreditierung versuchte. Mit etwas Geschick konnte auch der letzte Mitarbeiter der Pressestelle davon überzeugt werden, dass bei einem zu ca. 70 % ausgelasteten Stadion immer ein Platz für Touristen auffindbar ist. Ärgerlich war das konsequente Handeln jenes Mitarbeiters, der uns hierfür nur 2 von 3 notwendigen Pressetickets gab, hierbei über die Köpfe seiner Kollegen hinweg entschied und uns im Laufe der Tour nicht das letzte Mal auf die Nerven gehen sollte. Für unsere Begleitung ging es also zurück zum Schwarzmarkt, dort das Ticket für 100 TRL eingetütet und ebenfalls auf unserer Tribünenseite mit bester Sicht Platz genommen.

Tatsächlich waren wie vermutet 32.000 Zuschauer im Stadion, ca. 200 davon drückten den Gästen aus Konya die Daumen. Die Stimmung war bereits ab einer Stunde vor Anpfiff stellenweise beeindruckend, auch weil die Spieler der Heimmannschaft während der Warmmachphase nach und nach vor die Tribüne der UltrAslan gebeten und heldenhaft gefeiert wurden. So zog sich das Prozedere über alle Spieler bis hin zu Startrainer Roberto Mancini. Auch der Trainer der heutigen Gäste aus Konya wurde von allen Galatasaray Anhängern gefeiert, da er sich selbst als aktiver Spieler über 10 Jahre das Trikot der rot – gelben überstreifte, tolle Aktion!

Mit dem berühmten „Cim Bom Bom“ zum Anpfiff erzeugten die Ränge eine überwältigende Stimmung, allen voran die Pegasus Tribünü, die im Anschluss nicht mehr zur Ruhe kam, wenn auch phasenweise spielbezogen ein Dämpfer drin war.

Auf dem Feld spielten zu Beginn nur Torku Konyaspor mit dem Bundesligalegionär Theofanis Gekas, der ein überragendes Spiel machte. Neben ihm Stand vorallem Galatasaray – Keeper Fernando Muslera im Mittelpunkt, der mit seiner Unsicherheit auch das Tor der Gäste vorbereitete. Der missglückte Pass landete bei Gekas, der mit viel Übersicht quer auf Recep Aydin zum Führungstor vorlegte (16.). Die Löwen hingegen konnten trotz ihrer enormen Qualität mit Sneijder (verletzungsbedingt früh ausgewechselt), Drogba und Burak Yilmaz kaum für Torgefahr sorgen, da der Ball meist in den eigenen Reihen fahrlässig vertändelt wurde. Allgemein kann der Verein sportlich derzeit nicht ganz zufrieden sein, hat man doch alle Istanbuler Rivalen bei einer Niederlage mit wachsendem Abstand vor sich. Vor dem Pausenpfiff zeigte Didier Drogba dennoch seine nach wie vor enorme Kopfballstärke und köpfte die Flanke von Umut Bulut unhaltbar zum 1:1 in die Maschen (45.).

Scheinbar fand Roberto Mancini die richtigen Worte an seine Mannschaft. Mit dem Seitenwechsel stürmten die Gastgeber dauerhaft nach vorne, auch wenn in der 50. Minute ein Rückpass fast am schlecht postierten Fernando Muslera vorbei ins Tor gerollt wäre. Burak Yilmaz hingegen brachte einen erneuten Konter für Galatasaray mit dem mittlerweile verdienten Führungstreffer zum 2:1 zu Ende. Hierbei war der Torwart dank geschicktem umkurven chancenlos (66.).

Die Stimmung in der Türk Telekom Arena war mittlerweile wieder am Kochen. Einzelne Anfeuerungsversuche der Gäste, dessen Gruppe Nalcacililar erst weit nach Anpfiff ankam, wurden im Affekt durch gnadenlose Pfeifkonzerte zunichtegemacht. Wenn auch der größte Teil der Gästefans zu einem Istanbuler Fanclub zugeordnet werden konnte, nahmen mindestens 30 Zuschauer den  Weg vom rund 700 Kilometer entfernten Konya im Süden der Türkei auf sich. Letztendlich setzte sich allerdings auf dem Feld die Qualität der Mannschaft mit einem Gesamtmarktwert von über 150 Millionen Euro durch. Galatasaray gewann das Spiel am Ende knapp, aufgrund der zweiten Hälfte aber verdient, mit 2:1. Eine tolle Idee auf Seiten der Galatasaray – Anhänger war die schöne Handylichter – Aktion, bei kurz vor Ende des Spiels mehrere tausend Smartphones unter dem Nachthimmel Istanbuls erleuchteten und ein imposantes Bild ergaben. Schade hingegen, dass nach Abpfiff die wohl von Erfolg verwöhnten Zuschauer auf den neutralen Tribünen nach kurzem Siegesjubel den Weg zu den Fahrzeugen suchten. Auch die Mannschaft von Galatasaray schien kein Interesse an einem kurzen Rundgang zu haben und verschwand sofort in den Katakomben, während die UltrAslan weiterhin feierten.

Man kann Galatasaray wahrlich als Verein mit extrem fanatischen Anhängern zählen, auch wenn die Arena nur phasenweise zur besagten „Hölle“ wird, herrscht eine wirklich beeindruckende Stimmung, die bei einem ausverkauften Stadion und gar einem Stadtderby wohl in punkto Lautstärke seines gleichen sucht. Für uns ging es im Anschluss voller Zufriedenheit zurück in Richtung Innenstadt und Hotel, da am nächsten Tag bereits das nächste Spiel auf uns wartete…

Text: Marcel Bär